Frust und Frost

Wir sind extra zeitig losgefahren, damit wir vor dem großen Ansturm über den Brenner kommen. Bis Innsbruck lief es auch sehr gut, unser guter alter T4 keuchte bei Aldrans die Steigung hinauf – da leuchtet die Ladekontrolllampe im Armaturenbrett auf. Lichtmaschine defekt. Also machen wir einen ungeplanten Stopp im schönen Innsbruck.

Zum Glück finden wir rasch noch eine Werkstatt, die trotz Freitagmittag Hilfe anbietet. Aber bis am Montag die nötigen Teile da sind, müssen wir hier bleiben. Das Auto fährt zwar noch, aber irgendwann wird die Batterie leer sein, auch wenn ich ohne Licht, ohne Heizung und ohne Scheibenwischer fahre und möglichst wenig bremse, Also sucht meine beste Reiseführerin rasch einen schönen Campingplatz, wo wir Stromanschluss und Notquartier finden. Mit den Rädern erkunden wir die nahe Altstadt: Goldenes Dachl, Bunte Häuser am Inn, diverse Burgen, Türme und Kirchen, die Markthalle und ein netter Ostermarkt, wo gerade Goaßlschnalzer ihre Kunst darbieten. Auf dem Rückweg holen wir noch im Baumarkt ein Ladegerät für unsere geschundene Batterie, dann genießen wir den Blick vom verschneiten Campingplatz übers Inntal und auf die umliegenden Berge im Abendrot.

Nun sitze ich hier am Samstagabend und genieße die letzten Sonnenstrahlen, das Panorama und ein Edelweiß Hefetrüb. Der Tag war sehr schön: Wir haben den Alpenzoo Innsbruck besucht und uns dabei viel Zeit gelassen. Wir haben die Altstadt nochmals durchwandert und wunderbaren Capuccino mit leckerem Kuchen im Kaffeehaus Munding genossen. Wir haben in der Fußgängerzone FPÖ-Ostereier abgelehnt und immer noch keine Handschuhe gekauft, obwohl es wirklich kalt ist. Wir haben eine iranische pro-Krieg und pro-Pahlevi Demo gesehen und Straßenmusikern gelauscht. Unsere Batterien haben sich dank Solarpanel und neuem Ladegerät aufgeladen, die Dusche war halbwegs warm und später gibt es vielleicht noch eine Pizza. Was will man mehr?

Das ist genau der Reiz des Reisens: Die Komfortzone verlassen, Überraschungen erleben und immer das Positive sehen.
Wir haben Glück, das Wetter ist wunderschön und uns wird geholfen.

Hinkelsteine Attersee März 2026

Natürlich mussten wir die PERFEKTE Sicht im Attersee genießen!
Zusammen mit Hans habe ich wieder mal den wunderbaren Tauchplatz Hinkelsteine betaucht. Genial!
Besonders lustig war die Begegnung mit dem alten Toilettensitz.

Nicht böse sein, das Video ist noch nicht perfekt. Ich übe noch mit einem anderen Programm – da muss ich mich noch einarbeiten.


Beim zweiten Tauchgang waren wir an der Schlierwand. Video folgt.

Attersee, Nöhmer

Am Attersee ist der Tauchplatz Nöhmer eigentlich unspektakulär, aber wir hatten wirklich Glück und sind zwei kapitalen Hechten begegnet. Außerdem war die Sicht wirklich gut. Ein wunderbarer Tauchgang mit Sonne bis -20m und einigen interessanten Begegnungen, u.a. Moostierchen und hunderttausenden Muscheln.

Zum Video Nöhmer

Freilich haben wir am Nöhmer nur unsere Restluft verblubbert. Vorher waren wir am benachbarten Unterwasserwald. Da hatte ich allerdings meine Kamera nicht dabei, sondern testweise nur das leere UW-Gehäuse. Darum hier leider nur ein Link zu älteren Videos, also müssen wir da bald wieder tauchen…

Zum Video Unterwasserwald

Zum Video Unterwasserwald 2

Ins Karwendel

Wie ein Fjord liegt er da, tiefblaues Wasser unter hellblauem, fast wolkenlosem Himmel. An der Talsperre ahnt man noch nicht, wie weit sich der Sylvensteinspeicher erstreckt. Über die Brücke gelangt man zur Ortschaft Fall; der Ort Alt Fall liegt tief unten am Grund des 1959 angelegten Stausees. Vor ein paar Jahren war ich hier noch tauchen, ein paar verfallene Grundmauern fanden wir damals im trüben Schlamm.

Heute ist uns mehr nach wandern, es ist ein herrlicher Herbsttag und wir spazieren am südlichen Seeufer von Fall bis zur Geschiebesperre. Ein Damm unterbricht den Lauf der Isar, damit das mitgeschwemmte Geröll dem See nicht verstopft.

Über die Mautstraße geht es weiter entlang der Isar nach Wallgau, Krün und schließlich zu unserem nächsten Ziel, nach Mittenwald. Das hübsche Dorf ist weltweit bekannt, nicht nur wegen der schönen Natur, Sport- und Wandermöglichkeiten, sondern auch wegen der jahrhundertelangen Tradition der Geigen- und Instrumentebauer und der hier üblichen Lüftlmalerei. Viele Fassaden sind mit kunstvollen Malereien geschmückt.

Am darauf folgenden Tag wandern wir auf den Hohen Kranzberg. Der Aufstieg überwindet rund 400 Höhenmeter, aber das Gipfelpanorama ist trotzdem atemberaubend: Angeblich soll man von hier oben 93 andere Gipfel sehen können – Zugspitze, Alpspitze, Karwendelspitze und Wetterstein sind die paar, die ich mir merken konnte. In der Ferne sehen wir auch den Herzogstand, Heimgarten und den Jochberg, die wir vor vor einigen Jahren selbst schon bestiegen haben.

Zwei glückliche Gipfelstürmer
Blick nach Osten
Blick nach Westen: Wetterstein und Zugspitze

Am nächsten Tag ist das Wetter leider nicht mehr so schön; trotzdem steigen wir auf unsere Räder und rollen in Richtung Scharnitz, in die Leutasch und die Geisterklamm zu sehen. Ein Schild weist auf den nahen Gletscherschliff und die Panoramabrücke hin, also steigen wir in den Wald hinauf und wandern durch eine verwunschen wirkende Landschaft. Kobolde und Geister würden hier gut her passen, viele Infotafeln geben Auskunft über die Geschichte, Sagen und Geologie. Auch für Familien sehr zu empfehlen!

Den Abend und die Nacht verbringen wir bei Freunden in Lenggries. Ein Spaziergang an der Isar und eine weitere Wanderung zur Denkalm erfüllen unseren Tag.

Messners Museum

Hoch über Meran nahe dem Dorf Hafling verbringen wir eine ruhige Nacht. Haflinger sind uns keine begegnet, auch wenn diese von hier stammen sollen.

Ein kurzer, aber steiler Spaziergang führt uns zum Rotstein, eine senkrechte Felswand ganz in der Nähe. Doch der eisige Wind treibt uns rasch wieder in unseren Bus zurück, wo es leckere Vinschgerl und Käse zum Frühstück gibt.

Nahe Bozen bei Sigmundskron befindet sich eine Burg aus dem 10. Jahrhundert.

Dort wurde unter Mitarbeit des berühmten Alpinisten Reinhold Messner ein Museum eingerichtet, welches nicht nur die Geschichte Südtirols, sondern vor allem auch die Beziehung Mensch und Berg zum Thema hat. Natürlich geht es auch um Messner, außerdem gibt es viele Exponate aus den Bergkulturen des Himalaya.

Am meisten hat mich der Film „Requiem in weiß“ beeindruckt: Harry Putz dokumentiert in seinem bewegenden Film das Verschwinden der Alpengletscher.

Als wir nachmittags in Sterzing auf dem zentralen Parkplatz unseren Bus abstellen (noch kostenlos), zähle ich elf Wohnmobile. Unser T4 ist davon das älteste und zugleich das kleinste. Nach dem Stadtbummel stehen sage und schreibe 24 Stück hier, eins größer als das andere. Manche Camper wollen sich offenbar gegenseitig an Frechheit überbieten, indem sie drei, vier oder mehr Stellplätze belegen. Den Rekord hält ein zehn Meter langer Morelo, der quer steht und sechs Plätze braucht. (So ein Teil kostet in der Grundausstattung neu etwa eine halbe Million.) Zum Fremdschämen!

Es ist eine Frage der Zeit, wann hier das Stehen über Nacht verboten wird, wie an vielen anderen Orten schon. Ganz ohne Neid, mich wundert: Kann sich denn jemand, der so ein Wohnmobil in dieser Preisklasse besitzt, nicht vielleicht einen der zugegeben hier recht teuren Campingplätze leisten? Wohl nicht. Von den reichen Leuten kann man das Sparen am besten lernen.

P.S. Um 20.00 Uhr sind es 34 Womos. Dazu noch 16 auf dem angrenzenden Parkplatz beim Supermarkt und einigen weiteren beim Sportplatz nebenan. O Graus.

Vor lauter Lärm der an- und abfahrenden Wohnmobile kann man kaum schlafen. Wir starten um 6.00 in der Dunkelheit. Als die erste Morgendämmerung die Berggipfel erleuchtet, scheinen diese von Neuschnee überzuckert: welch ein schöner Beginn unserer Heimreise.

Pässe, Kurven und Meran

Eine Wanderung bei Salter und Romino gibt uns nochmals eindrücklich Einblick in die Massenproduktion der Äpfel.

Die Landschaft ist wunderschön, die Bergdörfer gemütlich, die Wege dorthin eng, steil und kurvig.

Hier blühen schon die Herbstzeitlosen und die Ebereschen sind übervoll von Früchten.

Am Mendelpass (1363m) erreichen wir wir wieder das Alto Adige.

An einer Quelle neben der Straße versorgen wir uns mit frischem Wasser.

Über viele Spitzkehren schraubt sich unser Bus hinunter bis nahe Kaltern. Doch diesmal biegen wir Richtung Meran ab, es ist noch früh und wir erkunden die wunderbar gelegene geschichtsträchtige Stadt noch vor dem großen Ansturm.

Der Botanische Garten Trauttmansdorff ist sehr sehenswert, wir verbringen dort den ganzen Nachmittag.

Von den steilen Bergstraßen haben wir immer noch nicht genug, wir kriechen wieder im 2. Gang hoch ins Altoplano über Meran und Richtung Süden.

Brenta Dolomiten

Der Weg führt uns nach Norden, am Iseosee vorbei und durch etliche Tunnel stets leicht bergauf hinein in die Dolomiten. Edolo, einen geschichtsträchtigen Ort erkunden wir zu Fuß.

Die engen Gassen und alten, oftmals baufälligen Häuser haben einen ganz besonderen Charme. Kriegerdenkmäler und Infotafeln erinnern an den ersten Weltkrieg. Das Wetter verschlechtert sich und motiviert uns zur Weiterfahrt.

Bei Temu finden wir ein Plätzchen für die kalte Nacht. Am anderen Morgen geht es weiter bergauf.

Kurz vor der höchsten Stelle frühstücken wir in der Vormittagssonne. Den Passo del Tonale erklimmt unser braver Bus ganz wacker: 1882 Meter über Meereshöhe. Ein kurzer Blick ins Memorial für die Gefallenen des ersten Weltkrieges lässt mich erschauern, nicht nur aufgrund der frischen 10 Grad Außentemperatur.

Nun verlassen wir die Lombardei, auf der westlichen Seite des Passes liegt die Provinz Trentino. Die Überreste des ersten Weltkrieges sind auch hier präsent. Die Ruinen einer Befestigung wachen noch heute über die kurvige Passstraße.

Schrecklich ist der Gedanke, wie viele junge Männer damals in Winterkälte und Kanonenhagel umkamen. Heute ist es ein Bergidyll, das zum Frieden mahnt.

Die Stadt Cles erkunden wir wieder zu Fuß und schließlich findet sich auch ein Platz am Lago de Santa Giustina zum Schwimmen und Übernachten.

Lago d’Iseo

Unsere Idee war eine schöne Radtour zum See, das Ergebnis zweigeteilt. Das Radeln durch die Weingärten und die romantischen Dörfer gefällt uns sehr. Das Ziel der Tour, der Ort Iseo aber gar nicht. Angeblich soll dieser einer der am wenigsten touristischen Orte der norditalienischen Seen sein. Leider haben sich gerade heute gefühlt 100.000 Menschen genau hier hin begeben. Die steile Straße hinab ist extrem viel befahren, es gibt keinen Radweg. Die Stadt ist ein Moloch, Hunderte stehen am Kai und warten auf den Dampfer. Wir treten sehr bald die Flucht an. In den Weinbergen ist es viel ruhiger und entspannter, das ist deutlich mehr nach unserem Geschmack.

Das nahe Naturreservat ist schon viel eher nach unserem Geschmack, wenn auch die Hitze inzwischen recht anstrengend ist.

Traumhochzeit

Der Grund unserer Reise ist die Hochzeit von zwei lieben Freunden. Ein gewisser Aufwand ist es schon, für die kirchliche Trauung rund hundert Menschen bis in die Franciacorta zu holen. Für uns sind das rund 500 Kilometer einfach. Andere Gäste kamen für die zwei Tage sogar aus Florida angereist. Die schöne Trauung in der italienischen Kirche und die unvergessliche Feier auf einem herrschaftlichen Weingut hat uns aber alle überzeugt: Es hat sich gelohnt.

Kunst und Wein

Allesamt haben sie klangvolle Namen, die Weingegenden, die wir heute durchquert haben. Vom Tramino Südtirols über Valpolicella und Amarone, den Teroldego und Marzemino im Val d’Adige und den Trebbiano di Lugana. Leider bin ich kein großer Weinkenner. Aber wenn es schmeckt, dann merke ich es doch.

Ein kulturelles Highlight ist für uns heute der Besuch im Museum für moderne Kunst in Rovereto. Allein schon das Gebäude des Mart: museo di arte moderna e contemporanea ist für sich sehenswert. Die Ausstellungen dort sind weitgefächert und sehr beeindruckend.

Schließlich schaffen wir es noch zu unserem Tagesziel, dem bezaubernden Passirano in der Lombardei. Den Gardasee und seine von Touristen viel zu sehr frequentierten Gestade lassen wir sozusagen rechts liegen. Mein linker Arm hat nach der stundenlangen Fahrt einen Sonnenbrand.