Von Bayern nach Friesland

Wer eine Reise tut, der kann etwas erzählen. Wir machen uns im Spätsommer 2026 auf, um von der südöstlichen zur nordwestlichen Ecke Deutschlands zu reisen.
In diesem Sommer haben wir derart geschwitzt, dass uns die Aussicht auf eine kühle Brise gar nicht erschrecken kann. In Südbayern war die gesamte Landschaft verbrannt und die Flüsse hatten extremes Niedrigwasser. Eine Abkühlung ist fällig.

Natürlich fahren wir nicht in einem Rutsch durch, sondern halten an ein paar besonders reizvollen Flecken an. Der erste davon ist der Spessart westlich von Würzburg. Hier lässt es sich trefflich wandern und radeln. Per Zufall landen wir im schönen Elsavatal und bei Schloss Mespelbrunn. Wer kennt noch das Wirtshaus im Spessart? Das war wohl in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts ein Tourismusmagnet. Heute ist hier nicht mehr so viel los – uns ist das recht. Auch im Spessart ist der Wald sehr ausgetrocknet. Überall wird vor dem Eichenprozessionsspinner gewarnt, einer Raupe, die für Allergiker und empfindliche Personen gefährlich sein kann.

Die nächste Wanderstation ist der hessische Kellerwald bei Kassel. Bei Mehlen wandern wir durch wunderbare Eichen- und Buchenwälder. Das Besondere dabei ist für uns: Hier ist man so gut wie immer völlig allein unterwegs! Jetzt in der Nebensaison sehen wir niemand, wir hören keinen Straßenlärm und höchstens gelegentlich ein Flugzeug. Derart angenehm ist es bei uns daheim in Bayern selten, schon gar nicht in den Alpen.

Auch ein paar schöne Städte besuchen wir unterwegs: Zum Beispiel Marburg (dazu gibt es bald einen eigenen Beitrag) und Bad Wildungen: Eine gemütliche Fachwerkstadt, die scheinbar den Spagat zwischen Stadtentwicklung und Autoverkehr geschafft hat. Jedenfalls gibt es noch individuelle Geschäfte und keine allumfassende Kaputtsanierung.

Hier wurden die Steuern schon im Mittelalter nach der Grundfläche bemessen. Deshalb sind findige Baumeister auf die Idee verfallen, mit jedem Stockwerk nicht nur in die Höhe zu bauen, sondern jeweils auch ein paar Zentimeter (oder Ellen) in die Breite. Bis heute wachsen die Fachwerkhäuser in die Gassen hinein.

Im Kellerwald leidet der Feuersalamander nicht nur unter der Trockenheit, sondern auch an einer fiesen Pilzerkrankung. Ganze Bestände sind gefährdet, verantwortungsbewusste Wanderer sind aufgerufen, ihre Sohlen nach der Wanderung peinlichst zu säubern und sogar zu desinfizieren, um nicht die Sporen des BSAL-Pilzes in andere Regionen weiter zu tragen.

Der Edersee ist fast leer. Die Hässlichkeit der zerrissenen Landschaft schreckt uns ab. Allein beim Vorsperrwerk Nieder-Werbe ist der Anblick lieblich. Wir übernachten beim Fischhaus, wo der Turm einer überfluteten Kirche aus der Wasseroberfläche ragt.

Im Teutoburger Wald und dem Wiehengebirge werden die Gipfel zwar immer flacher, aber Sehenswertes gibt es trotzdem zu bestaunen. Bei Kalkriese fand vor rund 2000 Jahren die Varusschlacht statt. Arminius (später Hermann genannt), ein germanischer Anführer gelang es, verschiedene Stämme seines Volkes zu vereinen.

Maske eines römischen Offiziers

Sie stellten den römischen Legionen zwischen unwegsamem Bergwald und tückischem Moor einen Hinterhalt und unterwarfen trotz Unterzahl rund 15000 römische Legionäre. Später wurde der germanische „Held“ von deutschen Nationalisten instrumentalisiert.

Pfau

Die friesische Küste sehen wir erstmals bei Dangast. Der kleine Küstenort war vor etwa 100 Jahren ein Treffpunktexpressionistischen Künstler. Sie gründeten den Künstlerzirkel „Die Brücke“.

Sielhafen

In Carolinensiel informieren wir uns ausführlich über Deichbau, Sturmfluten und Nordseefauna. Die historische Entwicklung der Lebensweise der Menschen hier wird im Deutschen Sielmuseum sehr anschaulich dargestellt. Kaufleute, Kapitäne und Landleute hatten wohl ein hartes, aber geregeltes Leben.

Carolinensiel

Fliesenkunst
Seestern
Flunder